Wie viele Ansätze gibt es für die Deutung von Farben?
Und wie viele Gesichtspunkte?
Es gibt zum Beispiel den theoretischen/technischen Ansatz, bei dem der Farbton, die Helligkeit und die Sättigung der Farbe untersucht werden. Dann gibt es den psychologischen/expressiven Ansatz, der aus den Experimenten der Farbtherapie stammt.
Zudem gibt es den „anthropologischen“ Ansatz, der den Unterschied zwischen der symbolischen Interpretation der einzelnen Farben bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und in den historischen Epochen untersucht.

Aber was bedeuten die Farben für uns , die wir jeden Tag damit arbeiten? Oder anders gefragt: Was möchten wir durch die Kombination der Farbanstriche (unser gewähltes Instrument) mit 24 fotografierten Personen übermitteln?...

Nun, wir wollten uns ohne ein analytisches/psychologisches Ziel zu verfolgen, ohne Vorurteile zu haben und den Ansporn eine Bandbreite auszuschöpfen, die an sich schon unendlich ist, in ein transparentes Prisma verwandeln, welches Emotionen anhand von Regenbogenfarben widerspiegelt. Damit haben wir ein Bild und zugleich eine Widerspiegelung von Gemütszuständen geschaffen. Diese Gemütszustände empfindet jeder von uns früher oder später einmal, allerdings fällt das Empfinden für jeden von uns unterschiedlich aus.
Dies liegt daran, dass jeder die Dinge aufgrund seiner eigenen und nicht reproduzierbaren Lebenserfahrung auf eine bestimmte Art und Weise empfindet. Und in einem Grad und einer Intensität, die sehr persönlich sind. Jeder Blick, jede Gesichtsfalte, die bei ein und demselben Ereignis gemacht werden, zeigen unterschiedliche Nuancen und unterscheiden sich somit von allen anderen. Sie können daher davon ausgehen, dass „unsere“ Grau- oder Rotstufenskala auch eine anomalen Pinselanstrich oder gar einen Widerspruch darstellt. Kierkegaard erklärte dies folgendermaßen: „(...) denn es ist der Verzweiflung der liebste Ort: im tiefsten Inneren des Glücks zu wohnen.“

So haben wir für unser kleines Farb- und Emotionsexperiment 24 mutige Pixartprinting-Mitarbeiter herangezogen, die, bevor sie fotografiert wurden, noch folgende Fragen und Anweisungen berücksichtigen mussten:
„Erinnern Sie sich an den Tag zurück, an dem Sie starkes Heimweh hatten oder an das letzte Mal, bei dem das Glück Sie dermaßen überkam, dass Sie deswegen weinen mussten? Erinnern Sie sich daran, aus einer Intuition heraus, etwas klar gesehen zu haben oder von einer Angst ergriffen worden zu sein, die Ihnen fremd und unerklärlich schien?
Versuchen Sie dies auszudrücken. Lassen Sie diese Emotion wieder hochkochen, als ob Sie sie zum ersten Mal spüren würden … und vergeben Sie dafür eine Farbe. Eine Farbe, die genau „Ihre“ Nuance und „Ihre“ Intensität widerspiegelt. Eine Farbe, die sich (und Sie) von allen anderen unterscheidet.”

Gute Reise!

Lucia

Welch ein Wunder! Jeder Tag ist ein komplett neuer Tag.
(Fausto Gianfranceschi, Aforismi del dissenso)

DIE ABSTUFUNGEN
DES STAUNENS

Michele

Alles, was die Erfahrung uns zu lehren vermag, kommt in Form von Überraschungen.
(Charles Sanders Peirce, Scritti scelti)

Luca

Welcher Himmel kann schon deinem Traum des Himmels gerecht werden?
(Manuel Bandeira, brasilianischer Dichter)

DIE INTENSITÄT
DER INSPIRATION

Giulia

Das Unsichtbare soll zum Vorschein kommen! Zum Teufel mit dem Sichtbaren: Wen interessiert das schon!
(Robert Browning, britischer Dichter und Dramatiker.)

Valentina

Dass die Liebe alles ist, ist alles, was wir über die Liebe wissen.
(Emily Dickinson, Gedichte)

DIE VARIATIONEN
DER LIEBE

Julian

Sex rächt sich in Form von Liebe.
(Angela Carter, The Passion of New Eve. In der Hitze der Stadt.)

Samuele

Angst. Dieses schmerzhafte Gefühl des Wartens.
(Eliane Amado Lévy-Valensi, französische Psychologin und Psychoanalytikerin)

DIE SKALA
DER ANGST

Domenico

Vergeblich, vergeblich kämpfe ich/um Herr der Tage zu werden/die mich mit Lärm überschütten./Ich gehe in der Zeit unter.
(Vincenzo Cardarelli, Gedichte: “Alla deriva”)

Federica

Wer die Ruhe liebt, kann von Pfeilen nicht verwundet werden; wer sich hingegen in der Menschenmenge aufhält, wird häufig verletzt.
(Abt Nilus, orientalischer Mönch, 7. Jahrhundert)

NUANCEN
DER SEELENRUHE

Amoussou

Nur wer den Ernst des Lebens kennt, kann unbeschwert sein.
(Anonym)

Alberto

Die Hoffnung ist ein Traum eines Wachen.
(wird Aristoteles zugeschrieben von Diogenes Laertios)

SCHWINGUNGEN
DER HOFFNUNG

Valentina

Die Hoffnung ist ein Risiko, das eingegangen werden muss.
(Georges Bernanos, Rivoluzione e libertà)

Anisoara

Das Komische entspringt immer aus dem Unlogischsein der Sache selbst.
(Eduard Von Hartmann, deutscher Philosoph)

ANSTRICHE
DER FRÖHLICHKEIT

Ivano

Wenn ich lache, scherze, spiele, dann fühle ich mich als Mensch.
(wird Plinius dem Jüngeren zugeschrieben: lateinischer Literat)

Stefano

Als Eifersüchtiger, leide ich viermal: (…) ausgeschlossen zu werden, aggressiv zu sein, verrückt zu sein und wie jeder andere zu sein.
(Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe)

DIE FARBEN
DER EIFERSUCHT

Monica

Wer eifersüchtig ist, ist niemals auf das eifersüchtig, was er sieht; das, was er sich vorstellt, genügt bereits.
(Jacinto Benavente, spanischer Dramatiker)

Monica

Schäme dich nicht für dein Glück, lass es siegen.
(Leo Paolazzi, Künstlername: Antonio Porta, Schriftsteller und Dichter)

DIE REFRAKTION
DES GLÜCKS

Piergiorgio

Jedes Glück ist eine Unschuld.
(Marguerite Yourcenar, Alexis oder der vergebliche Kampf)

Steve

Die Melancholie ist das Glück über das Traurigsein.
(Victor Hugo, Die Arbeiter des Meeres)

DIE TÖNE
DER TRAURIGKEIT

Carlo

„So leben wir, um immer lebe wohl zu sagen.“
(Rainer Maria Rilke, Duineser Elegien)

Eugenia

Oft bringt die Angst vor einem Übel zu einem noch größeren Übel.
(Nicolas Boileau, L'art poétique)

SCHATTEN
DER ANGST

Nicoletta

Vom abgeschlossenen Vergangenen zur Leere der Zukunft; und das Schwarze,/ das in das Prisma einbricht, wurde vollkommen.
(David Gascoyne, surrealistischer Dichter aus England.)

Alberto

Der Mensch ist frei geboren und wird von allen Seiten gefesselt.
(J. J. Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes)

SÄTTIGUNGEN
DER WUT

Andrea

Gott möge euch verzeihen, aber ich werde das nie können.
(wird Elisabeth I (Tudor) zugeschrieben, Königin von England bis 1603)

License: Creative Commons Attribution No Derivatives 4.0

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