Die Design-Prinzipien

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Wenn Sie einen Grafikdesignentwurf erstellen, wenden Sie, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein, mindestens eines der Design-Prinzipien an. Die Meinungen darüber, wie viele Prinzipien es genau gibt, gehen auseinander, aber häufig handelt es sich bei mehreren Prinzipien um ein und dieselbe Sache, die nur anders erläutert wird. Selbst wenn Sie bereits einige Jahre im Design arbeiten, sollten Sie sich der Design-Prinzipien stets bewusst sein. Sie können Ihnen als gedankliche Checkliste dienen, um sich zu vergewissern, dass Ihr Design wie gewünscht funktioniert.

1. Ausgewogenheit/Anordnung

Wenn Sie Elemente auf einer Seite platzieren, sollten Sie sicherstellen, dass diese ausgeglichen angeordnet sind. Allerdings darf diese Ausgewogenheit nicht langweilig wirken! Beispielsweise können Sie mit einem einfachen zentrierten Design wie einem Foto mit Text und zentriertem Logo darunter eine Balance erzielen, allerdings kann dies etwas fad erscheinen (außer, das Foto ist wirklich umwerfend). Eine asymmetrische Anordnung kann manchmal eine bessere Wirkung erzielen.

Erinnern Sie sich daran, als Sie als Kind mit Ihren Eltern auf den Spielplatz gingen. Die schwerere Person auf der Wippe musste mehr zur Mitte hin sitzen, um ihr Gewicht auszugleichen. Dasselbe Prinzip gilt für die Grafiken. Eine größere Grafik kann durch eine kleinere oder durch einen Textblock ausgeglichen werden, wenn diese richtig platziert sind.

Auch Farben können einen ausgleichenden Effekt haben. Einem kleinen hellroten Quadrat kann die gleiche Gewichtung verliehen werden wie einem sehr viel größeren blassgrauen. Wenn Sie also an einem Design arbeiten und Schwierigkeiten haben, die Elemente ausgewogen zu platzieren, können Sie damit experimentieren, die Skala oder Intensität einiger Grafiken zu ändern.

Ein eher ungewöhnliches Verfahren, Ihrem Design Ausgewogenheit zu verleihen, wäre, die Elemente sternförmig anzuordnen. Wenn Sie beispielsweise eine Reihe an Fotos und Texten haben, können Sie diese um einen zentralen Punkt herum auffächern.

Gitter und Richtlinien stellen eine große Hilfe für die Balance in einem Design dar. Wenn Sie ein Gitter mit mehreren Spalten erstellen, können Sie immer sicherstellen, dass jedes Ihrer Designelemente daran ausgerichtet ist. Sie können natürlich diese Richtlinien auch bewusst durchbrechen, wenn Sie ein Gefühl von Unbequemlichkeit oder Unbehagen hervorrufen möchten.

Wenn Sie Probleme haben, die Ausgewogenheit für ein Design zu finden, legen Sie die Arbeit eine Zeit lang beiseite und nehmen Sie sie später wieder auf, um eine neue Sichtweise darauf zu gewinnen, oder drehen Sie die Seite verkehrt herum, auch das kann dabei helfen, Problemstellen zu erkennen. Hilft das alles nichts, legen Sie den Entwurf jemand anderem vor, möglicherweise einer Person, die nichts mit Design zu tun hat. Manchmal können gerade Personen, die nicht vom Fach sind, ein Problem erkennen oder einen hilfreichen Vorschlag machen.

2. Einheit/Harmonie

Wenn Sie an einem Design arbeiten, sollten Sie sicherstellen, dass alle Elemente Ihres Entwurfs wie Teile eines großen Ganzen wirken und eine Einheit bilden. Jedes Teil des Designs sollte also irgendwie mit dem Rest verbunden sein, sei es in Bezug auf seine Farbe, Stil oder den Abstand.

In einer perfekten Welt würden alle Fotos, die ein Kunde Ihnen zur Verfügung stellt, denselben Stil/Look haben. Häufig ist dies jedoch nicht der Fall, insbesondere bei Kunden mit kleinerem Budget, die Fotos nutzen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen oder von unterschiedlichen Quellen bezogen wurden. In solchen Situationen müssen Sie sorgfältig überlegen, wie Sie die Bildelemente bearbeiten können, damit ein einheitliches Design entsteht. Sie könnten allen Fotos einen bestimmten Filter oder Effekt hinzufügen oder ihnen einen einheitlichen Farbton geben. Eine andere Möglichkeit wäre, alle in einer bestimmten Form anzuordnen, oder einen Fototyp für große Aufnahmen und einen anderen für kleine zu verwenden.

Überlegen Sie sich auch, wie Elemente gruppiert werden könnten. Wenn Sie Elemente gemeinsam platzieren, macht dies den Eindruck eines Sets. Sie bilden eine Einheit und stellen somit selbst ein Designelement dar.

3. Wiederholung

Das Stilmittel der Wiederholung hilft, das Gefühl von Einheitlichkeit zu bewahren. Wenn Sie in der Entwurfsphase an Konzepten für ein Deckblattdesign arbeiten, denken Sie bewusst daran, Elemente zu erstellen, die in der gesamten Broschüre verwendet werden können.

So können Sie z. B. eine Form oder ein Symbol erstellen und innerhalb eines skizzierten Kreises platzieren. Überlegen Sie, wie Sie entweder das Symbol oder Variationen davon in Ihrer Arbeit verwenden können. Dies muss nicht unbedingt in seiner kompletten ursprünglichen Form sein, möglich ist auch ein Wasserzeicheneffekt oder Ähnliches. Gehen Sie aber auch darüber hinaus: Könnte der skizzierte Kreis für Ihre Aufzählungspunkte oder innerhalb Ihrer Seitennummerierung verwendet werden? Oder könnte ein Teil des Kreises als Grafikmittel für Ihre Überschriften dienen? Anstatt einfach nur zu wiederholen, können Sie die Elemente leicht abändern und sie so interessanter gestalten.

4. Hervorheben

Bestimmen Sie stets, was das wichtigste Element Ihres Designentwurfs ist. Manchmal fällt diese Entscheidung nicht leicht, da Ihr Kunde möglicherweise alles als wichtig empfindet.

Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Poster für einen Comedy-Abend entwerfen. Wenn der Comedian sehr bekannt ist, könnten Sie seinen Namen hervorheben und zum Fokus des Posters machen. Ist der Comedian jedoch unbekannt, sollte möglicherweise eher das Konzept eines Comedy-Abends hervorgehoben werden, und der Name ein untergeordnetes Element sein.

Der Zweck der Hervorhebung liegt darin, dass, sobald Sie die Aufmerksamkeit einer Person gewonnen haben, die an diesem Event, Produkt oder der Idee interessiert ist, diese Person weiterliest. Doch diese erste Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist gar nicht so einfach.

Sicherlich kennen Sie eine der Versionen des witzigen Videos „Make the logo bigger.“ Das Video bezieht sich auf einen unerfahrenen Kunden, der glaubt, dass sein Logo so groß wie möglich auf der Seite erscheinen muss, damit es wahrgenommen wird. Es gibt jedoch viele verschiedene Möglichkeiten, Elemente Ihres Designs auf interessantere Art hervorzuheben. Außer der Veränderung der Größe können Sie auch die Schriftart dicker machen, die Farbe eines Elements verstärken oder aufhellen oder mehr Platz um das Element herum lassen.

5. Proportionen

Sobald Sie durch das Hervorheben die Aufmerksamkeit mit Ihrem Schlüsselelement gewonnen haben, können Sie die Größen und Proportionen anderer Elemente je nach deren Bedeutung variieren. Bei den Proportionen geht es nicht nur um die Größe eines Elements, sondern auch um den freien Raum um dieses herum. Um einen bestimmten Effekt zu erzielen, können Sie mit den Proportionen auch übertreiben. Stellen Sie sich ein riesiges ausgeschnittenes Foto vor, mit einer winzigen Illustration daneben, umrandet von weißer Fläche.

6. Kontrast

Kontrast entsteht durch die Verwendung von Hervorhebung und Proportionen, jedoch auch durch Farben, Schriftarten und Stile. Wenn Ihr Design beispielsweise aus kreisförmigen Elementen besteht, könnten Sie ein eher eckiges Element einbringen, um das Design kontrastreicher und interessanter zu machen.

Wenn Sie sich mit der Farbenlehre auskennen, könnten Sie eine Grafik in einer Farbe erstellen und dann eine kontrastierende Komplementärfarbe aus dem Farbrad verwenden, um die Grafik auffälliger zu machen. Adobe Color CC ist ein Tool, das Sie für die Auswahl von Komplementärfarben verwenden können.

Beim Auswählen von Schriftarten sollten Sie vermeiden, dass sich die einzelnen Schriften bezüglich Stil oder Gewichtung zu sehr ähneln. Ansonsten könnte man meinen, es handelt sich um einen Fehler und nicht um eine bewusste Entscheidung. Wenn Sie ein erfahrener Designer sind, wissen Sie, dass eine klassische Kombination im Design aus einer Schrift mit und ohne Serifen besteht. Sie können aber auch andere Kombinationen ausprobieren, wie Schriftarten im Handschriftenstil, die sparsam neben den serifenlosen Schriften eingesetzt werden.

Vor ein paar Jahren fragte mich ein noch unerfahrener Designer: „Woher wissen Sie, welche Schriftarten am besten passen?“ Ich sagte ihm, was ich oben erwähnt habe: Es sollte ein Kontrast bestehen, aber der Rest ergibt sich einfach durch Ausprobieren. Glücklicherweise gibt es heute einige Tools, die einem dabei helfen, kontrastierende Schriftarten zu finden, die sich dennoch ergänzen. Ein solches Tool ist beispielsweise FontPair, das Vorschläge für das Kombinieren von Google-Schriften macht, oder auch FontJoy, das oben auf der Seite einen Slider hat, mit dem man einstellen kann, ob die Schriften mehr oder weniger Kontrast haben sollen.

FontPair

FontJoy

7. Bewegung

Sobald Sie die Hierarchie der Elemente erstellt haben und die wichtigsten Entscheidungen getroffen haben, müssen Sie festlegen, wie der Blick des Betrachters durch das Design geführt werden soll. Unter „Ausgewogenheit und Anordnung“ habe ich erwähnt, wie langweilig ein sehr grundlegendes zentriertes Design aussehen kann. Das liegt daran, dass der Blick einfach nur methodisch von links nach rechts geführt wird. Das Ziel ist jedoch, ein Design zu erstellen, bei dem der Blick zwar geführt wird, aber auf interessantere Weise. Zu diesem Zweck können Sie Hilfsmittel wie Linien oder Grafiken einbauen, die Elemente miteinander verbinden oder den Blick auf neuartige Weise zum nächsten Abschnitt leiten.

8. Weißraum

Weniger erfahrene Kunden verstehen häufig nicht, dass weniger oft mehr ist, aber es lohnt sich, diese Diskussion zu führen. Die meisten Designer kennen den Wert von Weißraum in einem Design. Je mehr freier Raum, desto eher wird das Produkt oder die Dienstleistung als teuer/luxuriös wahrgenommen. Der Weißraum trägt auch dazu bei, dass der Text in Ihrem Design einfacher zu lesen ist. Indem freier Raum um bestimmte Elemente herum gelassen wird, werden diese hervorgehoben. Sie können auch mit dem Weißraum (Negativraum) selbst experimentieren, um eine bestimmte Form zu erstellen.

Denken Sie an die Design-Prinzipien, wenn Sie das nächste Mal an einem Designprojekt arbeiten, und daran, wie sie Ihnen helfen können, das Projekt, an dem Sie arbeiten, zu verbessern.

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