Erstellen von Angeboten und Einholen von Gestaltungsvorgaben bei Grafikdesignprojekten

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Die Angebotserstellung sowie das Einholen von Gestaltungsvorgaben können ein heikles Unterfangen sein. Folgende Hinweise sollten dabei beachtet werden:

Angebotserstellung für ein Grafikdesignprojekt

Sie wurden von einem potenziellen Kunden um ein Angebot für ein Designprojekt gebeten. In der Regel wird ein Angebot entweder nach Stunden oder nach Auftrag erstellt. Beide Vorgehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile.

Angebotserstellung nach Stunden

Wenn Sie ein Angebot nach Stunden erstellen, können Sie buchstäblich jede Arbeitsstunde zu Ihrem Stundenpreis abrechnen. Der Nachteil davon ist, dass Sie sich selbst bestrafen, wenn Sie schnell und effizient arbeiten. Ein neuer Kunde wird dieses Angebotsverfahren höchstwahrscheinlich ablehnen, insbesondere dann, wenn Sie nicht in seinem Unternehmen vor Ort arbeiten und er daher die gearbeiteten Stunden nicht kontrollieren kann.

Angebotserstellung pro Auftrag

Die Mehrzahl der Kunden verlangen ein Angebot pro Projekt/Auftrag. Auf diese Weise wissen sie genau, was ein Projekt kosten wird. Das kann vorteilhaft für Sie als Designer sein, wenn das Projekt reibungslos abläuft und Sie die Arbeit schnell abschließen können. Allerdings müssen Sie sich vergewissern, ausreichend Zeit für das Projekt veranschlagt zu haben, falls es ohne Ihr Verschulden nicht nach Plan abläuft.

In einer perfekten Welt würde Ihnen ein Kunde sein Budget mitteilen und Sie würden ihm basierend darauf ein Angebot erstellen, das in das Budget passt. Die meisten Kunden möchten diese Informationen jedoch nicht preisgeben, um nicht zu viel bezahlen zu müssen. Das bedeutet, dass die Angebotserstellung zum Balanceakt wird zwischen dem Preis, den Sie berechnen möchten und dem Betrag, den der Kunde Ihrer Meinung nach bereit ist, zu bezahlen. Die meisten Designer haben für verschiedene Kunden unterschiedliche Tarife, auch wenn sie dies öffentlich nicht zugeben würden. Wenn sie für ein größeres Unternehmen arbeiten, berechnen sie möglicherweise mehr, als wenn sie ein Projekt für eine kleine Firma ausführen. Das scheint auf den ersten Blick unfair zu sein, aber bei größeren Unternehmen sind meist mehrere Personen in die Entscheidungsprozesse involviert, d. h., der Designprozess kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Was Sie bei der Angebotserstellung für einen Designauftrag beachten müssen

Beim Erstellen eines Angebots für einen Designjob sind der benötigte Zeitaufwand sowie sämtliche externen Kosten, die Ihnen entstehen, zu ermitteln.

1. Wie viele Designoptionen müssen Sie entwerfen?

Wie viele verschiedene Entwürfe möchte der Kunde vorgelegt bekommen? Falls der Kunde ein komplett neues Design wünscht, möchte er höchstwahrscheinlich zunächst verschiedene Entwürfe sehen. Wenn Sie beispielsweise ein neues Logo für ein Unternehmen entwerfen, könnten Sie in Ihr Angebot zunächst die Erstellung von vier Logodesignoptionen aufnehmen. Damit legen Sie für den Kunden einen Erwartungsbereich fest, und falls Sie doch fünf Optionen erstellen und vorlegen, kann er sich über diesen Bonus freuen.

2. Wie viel Zeit benötigen Sie, um den Auftrag fertigzustellen?

Sie müssen eine begründete Schätzung dazu erstellen, wie viele Stunden Sie für einen Auftrag benötigen, und diese Anzahl mit Ihrer Stundenrate multiplizieren. Je mehr Arbeitserfahrung Sie haben, desto besser können Sie dies einschätzen. Die Zeit, die Sie für einen Auftrag benötigen, kann jedoch auch von Kunde zu Kunde variieren, je nachdem, wie gut organisiert der jeweilige Kunde ist und wie klar seine Vorstellungen sind.

3. Ziehen Sie eine Aufteilung der Designphasen in Betracht

Es kann sinnvoll sein, das Angebot in mehrere Elemente aufzuteilen. Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie erstellen ein Angebot für das Design einer Broschüre mit 36 Seiten. Sie können dem Kunden nun einen Preis für das Entwerfen von 3 Designoptionen für den Look und Stil der Broschüre bestehend aus Cover und Spread für jede Option anführen. Separat listen Sie den Angebotspreis für das Design und Layout der 36 Seiten im gewählten Stil auf. Das bedeutet, dass Sie, sobald die Broschürenkonzepte fertig und angenommen sind, diesen Arbeitsschritt bereits in Rechnung stellen können. Dies kann besonders dann von Nutzen sein, wenn der Kunde lange für die Bereitstellung aller für die Broschüre erforderlichen Informationen benötigt.

4. Wie viele Änderungssets gehören in das Angebot?

Wenn Sie ein Angebot für ein Design erstellen, sollten Sie eine gewisse Anzahl angemessener Änderungen miteinschließen, jedoch auch diesbezüglich Grenzen setzen. Zum Beispiel könnten Sie beim Angebot für das Design eines Flyers angeben: Dieses Angebot enthält 3 Sets an Autorenkorrekturen/-änderungen. Weiterhin vereinbaren Sie, dass alle darüber hinaus gehenden Änderungen zum vereinbarten Stundentarif berechnet werden. Wenn es dann bei einem Auftrag mehr als 3 Änderungssets gibt, können Sie dennoch als Kulanz das nächste Set nicht berechnen. Mit einer solchen Bedingung können Sie jedoch verhindern, dass die Anzahl nachträglicher Änderungen ins Unendliche geht.

5. Legen Sie fest, was der Kunde bereitstellen muss, und was zusätzlich berechnet wird

Geben Sie in Ihrem Angebot alles an, was Sie vom Kunden benötigen. Wenn Sie zum Beispiel ein Angebot für ein Broschürendesign erstellen, könnten Sie festlegen: „Der Kunde stellt alle erforderlichen Texte und Bilder bereit.“ Außerdem könnten Sie hinzufügen, dass sämtliche benötigten Archivbilder, -fotografien oder -illustrationen zusätzlich berechnet werden.

6. Anzahlung

Je nachdem, wie gut Sie Ihren Kunden kennen, können Sie im Angebot auch eine Anzahlung fordern. Dabei kann es sich um einen Betrag von bis zu 50 % des Gesamtpreises handeln. Diese Anzahlung müsste der Kunde leisten, bevor Sie mit der Arbeit an dem Auftrag beginnen.

Designvorgaben durch einen Fragebogen ermitteln

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Designwünsche des Kunden zu erfragen: Im persönlichen Gespräch, per Telefon, über Skype oder per E-Mail. Wenn Ihr Kunde nicht viel Erfahrung im Weitergeben von Anweisungen der gewünschten Gestaltungsvorgaben hat, ist es am besten, Sie erstellen einen Fragebogen, um sicherzugehen, dass Sie alle Informationen erhalten, die Sie benötigen. Die Fragen variieren natürlich ja nach Projekt; als Beispiel beschränke ich mich hier auf die Gestaltungsvorgaben für eine Broschüre. Überlegen Sie, welche Informationen wichtig für Ihre Arbeit sind.

Format und Seitenanzahl

Fragen Sie nach dem Format und der Seitenanzahl der Broschüre. Manche Kunden verstehen nichts von Schriftarten oder Standard-Papiergrößen, daher müssen Sie ihnen dabei möglicherweise helfen.

Bestehende Richtlinien

Sie müssen wissen, ob Sie das Design komplett neu gestalten oder ob bereits Literatur oder Richtlinien existieren. Diesbezüglich sollten Sie den Kunden fragen, ob im Unternehmen üblicherweise bestimmte Schrift- und Stilarten oder eine bestimmte Farbpalette verwendet werden und Sie dies berücksichtigen müssen.

Finden Sie heraus, wer die Zielgruppe ist

Sie müssen wissen, für welche Zielgruppe die Broschüre erstellt wird, um das passende Design entwerfen zu können.

Stil/Konzept

Fragen Sie den Kunden, welche Arten von Design er bevorzugt. Idealerweise könnte der Kunde Ihnen Beispiele andere Marken/Designs zeigen, die ungefähr den Stil verkörpern, den er sich wünscht. Die Vorstellung zweier Personen davon, was „gehoben“ oder „trendig“ ist, können sehr weit auseinandergehen. Wenn Sie jedoch Bildbeispiele vorgelegt bekommen, wissen Sie, was der Kunde meint.

Message

Sie müssen ganz genau ermitteln, welche „Message“ der Kunde übermitteln möchte, und was beim Leser ausgelöst werden soll.

Konkurrenz

Finden Sie heraus, wer die Konkurrenz Ihres Kunden ist, und was der Kunde an deren Design mag oder nicht mag.

Zeitplanung/Deadlines

Vergewissern Sie sich, dass Sie alle Deadlines des Kunden kennen. Wird diese Broschüre für ein bestimmtes Ereignis erstellt? Ist dies der Fall, müssen Sie erfragen, wie viel Zeit für den Druck benötigt wird und von da ab zurückrechnen, um zu wissen, wann Sie das Design fertiggestellt haben müssen. Sie können Ihrem Kunden auch mitteilen, bis wann Sie spätestens alle erforderlichen Informationen und Daten vom Kunden vorliegen haben müssen, um die gewünschte Deadline einhalten zu können.

Druckspezifikationen

Wenn Ihr Kunde die Broschüre selbst in den Druck gibt, muss er Ihnen eine Druckspezifikation des beauftragten Unternehmens zukommen lassen. Wenn Sie die Broschüre drucken sollen, müssen Sie wissen, welche Art von Spezifikationen der Kunde wünscht, wie z. B. Papierart, Beschichtung und Druckanzahl.

Was tun, wenn der Kunde ungenügende Anweisungen gibt

Ich glaube, so etwas haben wir alle schon einmal erlebt. Sie fragen Ihren Kunden nach den Gestaltungsvorgaben und er gibt Ihnen entweder sehr wenige Informationen oder kann seine Wünsche nur schlecht formulieren. In einem solchen Fall haben Sie mehrere Möglichkeiten:

Notieren Sie selbst die Vorgaben, von denen Sie meinen, dass sie den Kundenwünschen entsprechen, und senden Sie diese an den Kunden.

Ich war schon bei Meetings für Gestaltungsvorgaben, in denen die Zuständigen untereinander darüber gestritten haben, wie das Design aussehen soll. Als ich nach Hause kam, notierte ich alles, von dem ich annahm, dass es eine Anweisung sein sollte. Diesen Vorgabenbericht schickte ich dem Kunden dann per E-Mail, sodass er ihn sich durchlesen und bestätigen konnte, bevor ich mit der Arbeit beginne. Das bedeutet auch, dass Sie dann für den Fall, dass der Kunde seine Meinung noch einmal ändert, solche zusätzliche Arbeit in Rechnung stellen können.

Erstellen Sie ein Moodboard und legen Sie es dem Kunden vor

Wenn Ihr Kunde noch unsicher hinsichtlich des Stils/Looks ist, können Sie versuchen, ihm mit einem Moodboard die Entscheidung zu erleichtern. Dafür haben Sie die Möglichkeit, auf Pinterest eine geheime Pinnwand zu erstellen und diese mit dem Kunden zu teilen. Besprechen Sie mit dem Kunden die verschiedenen Stilideen im Moodboard, um zu ermitteln, was ihm gefällt.

Ich hoffe, dass Ihnen diese Tipps als Hilfe dienen, wenn Sie das nächste Mal ein Angebot für einen Grafikdesignauftrag erstellen oder sich die Gestaltungsvorgaben vom Kunden einholen müssen.

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