Lola Vendetta: Illustration mit femininer Handschrift

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Illustrationen sind für gewöhnlich Bilder, die man mit Worten assoziiert. Im Jahr 2017 wählte das bekannte amerikanische Wörterbuch Merrian-Webster das Wort Feminismus zum „Wort des Jahres“. Und auf dem mit Spannung erwarteten Titelbild der Zeitschrift TIME mit der „Persönlichkeit des Jahres“ war eine Gruppe von Vertreterinnen der „#metoo“-Bewegung zu sehen. Wir nehmen diese aktuellen Geschehnisse als Aufhänger, um in die Welt einer der charismatischsten und beliebtesten Illustratorinnen Spaniens einzutauchen: Raquel Riba Rossy, besser bekannt als Lola Vendetta, die emblematische Figur aus ihren Comics und Protagonistin ihres Buchs „Lola Vendetta, más vale Lola que mal acompañada”.

Lola Vendetta

Die Illustrationsbranche erlebt derzeit eine Art Renaissance, was möglicherweise sowohl an der realen Wichtigkeit von Bildern sowie an der Schnelligkeit liegt, mit der wir heutzutage Informationen konsumieren. Eine Kunst, die sich auf Papier ebenso gut wie digital ausdrücken lässt, und in der per definitionem eindeutige und direkte Nachrichten an die übersättigten Verbraucher von heute „geschrieben“ werden, hat ganz offensichtlich das Interesse der Medien und sozialen Netzwerke erweckt.

In Spanien wird dieses Wiederaufleben des Comics eindeutig von Frauen angeführt. Exzellente Zeichnerinnen wie Flavita Banana, Pedrita Parker, Ana Santos oder Sara Herranz usw. arbeiten mit Verlagen zusammen, veröffentlichen Bücher, nehmen an Veranstaltungen teil, sind zudem im Web allgegenwärtig und leiten große Fangemeinschaften in ihren sozialen Netzwerken.

Ein idealer Zeitpunkt, um Lola Vendetta zur aktuellen Situation der Comicbranche zu befragen, insbesondere nach ihrer persönlichen Sichtweise als Frau und Künstlerin:

– Es ist ja offensichtlich, dass Sie in Ihren Illustrationen soziokulturelle Themen ansprechen. Aber würden Sie Lola als Superheldin bezeichnen? Oder einfach als eine Persönlichkeit, die ausdrückt, wie die Frauen von heute denken?

Eine sehr gute Frage. Superheldin? Warum nicht? Ich bin ein großer Fan der Superhelden von Marvel und hätte nichts dagegen, Lola Vendetta auf dieselbe Stufe wie die Kick Ass-Comics zu stellen, als eine weibliche Version. Das würde mich wirklich freuen. Und wenn Lola als Vertreterin der femininen Denkweise angesehen würde, wäre ich SEHR glücklich. Nicht nur im Sinne eines persönlichen Erfolgs, sondern weil dies gesellschaftlich ein großer Fortschritt wäre.

– Würden Sie sich selbst als Feministin bezeichnen? Was bedeutet „Feminismus“ für Sie?

Ich bin Feministin. Zum Feminismus gehört für mich, dass wir die Verantwortung für uns selbst übernehmen, für die Vergangenheit und für unser Vorgehen in dieser Welt. Der Feminismus geht für mich Hand in Hand mit Spiritualität, Selbstreflexion und Verzeihen. Feministin sein zu wollen, ohne verzeihen zu können, bedeutet für mich, einen Weg voller Ressentiments einzuschlagen. 

Lola Vendetta

 

– Eine entschiedene und mutige Linienführung, reduzierte Farben… Ist der Inhalt für Lola Vendetta wichtiger als die Form?

Am Anfang handelte es sich um eine reine Entspannungsübung. Ich habe beim Zeichnen schon immer sehr hohe Ansprüche an das Ergebnis gestellt und Lola Vendetta war für mich so etwas wie ein Akzeptieren von Fehlern bei meiner Arbeit. Schlussendlich habe ich jedoch einfach die Formen vereinfacht, um mich mehr auf den Inhalt konzentrieren zu können.

– Die Illustration als Vertreterin des sozialen Wandels. Glauben Sie, dass Ihre Arbeit dabei helfen kann, Dinge zu verändern? Nehmen Sie diesen Aspekt bewusst in Ihre Werke mit auf? 

Ich bin der Meinung, dass jede Arbeit dabei helfen kann, Dinge zu verändern. Wichtig ist die Absicht, die hinter jedem Tun steht.
Ich denke, Illustrationen sind eine angenehme, schöne Sache und werden häufig als unschuldig wahrgenommen. Sie scheinen vielleicht zunächst keinen besonders großen Einfluss zu haben, aber nach und nach können sie das kollektive Unterbewusstsein verändern.

Lola Vendetta

 

– Papier oder digital? … Sie gehören zu einer Generation von Künstlern, die mit den digitalen Medien aufgewachsen ist und ihren Erfolg zum Großteil den sozialen Netzwerken verdankt. Ist angesichts dessen die Veröffentlichung eines Buchs immer noch das wichtigste Ziel eines Illustrators/einer Illustratorin?

Ich habe eigentlich immer das Medium Papier bevorzugt, doch jetzt bin ich dabei, zum digitalen Zeichnen überzugehen, aus einem ganz einfachen Grund: Rückenschmerzen. Von Hand zu zeichnen ist dann schön, wenn man es in dem Tempo machen kann, in dem sich die Welt früher drehte. Wenn du aber in der heutigen Zeit Schritt halten willst, deinen Zeichnungen auch noch Farbe und Schattierungen hinzufügen möchtest, morgen den Flug nach Málaga nehmen musst, im Februar nach Mexiko reist und am Nachmittag noch ein Meeting außerhalb des Büros hast, um das neue Buch vorzustellen… dann bleibt dir nichts anderes übrig, als digital zu arbeiten. Das ist auch gar nicht schlimm. So ist einfach die Entwicklung. Und ich kann Ihnen versichern, dass mein rechter Arm Gott dafür dankt, dass er den Beruf des Informatikers erschaffen hat.

– Was sind Ihre Ziele?

Eine gesunde Ernährung, Sport treiben und meine Eltern öfter anrufen. Außerdem möchte ich mittels Lola Vendetta und reEvolución Femenina ein Netzwerk für bewussten Feminismus aufbauen, d. h. ein Feminismus, der sowohl die Weiblichkeit als auch die Männlichkeit und die Transsexualität anspricht, und zwar im Sinne des persönlichen Bewusstseins und der Selbsterkenntnis.

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