Der Weg zum Sachplakat: Grafische Plakatgestaltung im 20. Jahrhundert

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, noch bevor der Begriff Grafikdesign aufkam, zählten Julius Klinger und Lucian Bernhard zu den prägendsten Plakatkünstlern im deutschsprachigen Raum. Als immer mehr Firmen sich die Entwicklung von verschiedenen Drucktechniken zunutze machten, gestalteten sie Werbemittel in Stilen, die die Zukunft des Grafikdesigns noch lange prägen sollten.

Julius Klinger

Julius Klinger war einer der österreichischen Designer, deren Illustrationen die Gestaltung von Postern um die Jahrtausendwende beeinflussten. Nach seinem Studium am Technologischen Gewerbemuseum in Wien arbeitete Klinger zunächst als Zeichner für Magazine wie die Wiener Mode. Inspiriert von seiner Zusammenarbeit mit der Modezeitschrift, gestaltete er seine Illustrationen und Karikaturen mit den visuellen Mitteln der Abstraktion.

Zudem prägte er durch den Einsatz von Humor den künstlerisch-illustrativen Plakatstil. Klingers Arbeiten wurden vor allem durch den Kontrast zwischen feinen Zeichnungen und grober Typografie unverwechselbar. Seine Arbeiten beschrieben den Übergang von der traditionellen zur frühen modernistischen Plakatkunst.

Zu Beginn des Jahres 1918 gestaltete Klinger für die bekannte Zigarettenmarke „Tabu“ eine weit lancierte Werbeaktion, die über mehrere bisher unbenutzte Flächen, wie Wände und Plakate an Bauzäunen, in Umlauf gebracht wurde und so als eine der ersten strategischen Werbekampagnen galt. 

Nach seiner Arbeit in München zog es Klinger nach Berlin, wo er sich neben der Plakatkunst vor allem der Buchillustration widmete. Hier kreierte er auch Arbeiten für verschiedene öffentliche Institutionen wie den Berliner Zoo oder für bekannte Veranstaltungsräume. Weiterhin überzeugten seine Arbeiten mit Emotionen und Persönlichkeit. So legten sie in den Zwanzigerjahren einen Grundstein für moderne Grafikkunst.

Zudem wurde Klingers Werbeplakat für die Herbstflugwoche 1909 in Berlin sehr bekannt. Das Plakat zeigt vier nach oben blickende Personen auf einem mit Typografie beschrifteten Zelt und wurde äußerst beliebt, sodass es in verschiedenen Varianten wieder aufgelegt wurde. Durch Arbeiten wie diese wurde er zu einem der gefragtesten Grafiker bei der Kunstdruckerei Hollerbaum & Schmidt, einer der führenden Plakatdruckereien in Deutschland.

Lucian Bernhard

Lucian Bernhard war ein deutscher Typograf, Grafikdesigner und Professor. Er studierte an der Münchner Kunstakademie, bevor es ihn 1901 ebenfalls zu Hollerbaum & Schmidt nach Berlin zog. Dort produzierte er Plakate für verschiedene Händler, darunter bekannte Marken wie der Stifthersteller Pelikan, Faber Castell oder der Industriehersteller Bosch. Bernhard gewann mit stilistischen Neuinterpretationen von Werbeflächen an Popularität; seine Plakate lenkten durch Reduktion die Aufmerksamkeit neben der kompakten Botschaft vor allem auf ein zentrales Bildobjekt.

Durch seinen unverkennbaren Stil, die Verwendung von kräftigeren Farben, abstrakteren Formen sowie die Beschränkung auf wesentliche Information, aber auch die Abkehr von dekorativen und detailverliebten Postern galt sein Sachplakat als Vorläufer modernistischer Plakate. Bernhard war nicht nur der Pionier des neuen Genres, das noch mehrere Jahrzehnte relevant bleiben sollte und den frühen Modernismus beeinflusste, sondern wandte seine neue Technik bei verschiedenen Marken wie Manoli oder Adler an. Heute gilt er als Pionier des Sachplakates.

Seine Arbeit beeinflusste die Plakat- und Logo-Gestaltung internationaler Marken. So hinterließ er einen Fußabdruck bei Bosch, wo sein Entwurf stilistisch noch heute als Logo existiert. 1914 gestaltete er ein Plakat, bei dem der Schriftzug über die gesamte Zeichenfläche in Großbuchstaben angeordnet war. Die illustrative Zündkerze wurde dabei in der Diagonale ausgerichtet und vor einem großflächigen Farbhintergrund platziert. Durch die Verwendung auf verschiedenen Plakaten wurde dieser Stil prägend für die damalige Werbebranche. Beim Betrachten vieler moderner Werbeplakate wird deutlich, dass der Stil von Lucian Bernhard noch heute Ideen prägt.

Oft verwendete er in seinen Arbeiten eine von seinen über 30 entworfenen Schriften wie Bernhard Gotik, Bernhard Fashion oder Lucian, mit denen er das Erscheinungsbild der Marken charakterisierte. Auch die Marken wie Pelikan orientieren ihre Logos noch heute an Bernhards Entwürfen.

Wie Klinger entwarf er in seiner Berliner Zeit auch Illustrationen und Bucheinbände. Zudem war Berlin auch der Gründungsort seiner Zeitschrift Das Plakat, die später unter dem Namen Gebrauchsgraphik bekannt wurde. Das Magazin zählte in den Zwanzigerjahren zu den führenden Designzeitschriften des Jahrhunderts und existiert sogar heute noch als das zweisprachige Magazin Novum.

Lucian Bernhard lebte seit Beginn der Zwanziger in den USA, wo er seinen von Intuition geprägten Denkansatz als Professor weitergab und sich zunehmend der Kunst zuwandte. Seine Grafikarbeiten und von zeitloser Modernität geprägten Schriftentwürfe verloren lange nicht an Wirkung.

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