Eine kurze Reise durch die Geschichte des Drucks

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Weniger Menschen könnten lesen, viele sprächen noch auf Lateinisch, von einigen historischen Ereignissen hätten wir nie erfahren und die größten wissenschaftlichen Erkenntnisse wären erst Jahrhunderte später zu uns durchgedrungen – wenn der Druck nie erfunden worden wäre.

In unserem Blog gibt es den Bereich „Die Welt des Drucks“, der viele interessante Informationen bietet. Was dort noch fehlte, war ein Artikel, der von der Geschichte des Drucks von seinen Anfängen bis heute erzählt. Also haben wir das schnell nachgeholt: Wir unternehmen eine Zeitreise in die Vergangenheit und sehen uns Etappe für Etappe die wichtigsten Drucktechniken und andere wissenswerte Besonderheiten an – eine spannende Reise durch fünfzehn Jahrhunderte, von denen wir Ihnen unbedingt die wichtigsten Momente zusammenfassend vorstellen müssen.

Erste Etappe: Der Blockdruck

Wir befinden uns im Morgenland – im China des 6. Jh. n. Chr. in der Epoche der Tang-Dynastie. Zu den vielen Errungenschaften des großen Imperiums zählt die Erfindung eines Verfahrens, welches den Druck mit Matrizen aus Holz ermöglicht, die eingeschnitten, eingefärbt und auf ein Blatt Papier abgedruckt werden. Die Reichweite dieser Erfindung ist dermaßen groß, dass der Druck in der modernen chinesischen Geschichtsschreibung als eine der vier großen Erfindungen des Chinesischen Altertums gilt.

Eines der ersten Bücher, das mit einer Holztafel gedruckt wird, ist eine Kopie des Diamant-Sutra (868 n. Chr.) – eine mehr als fünf Meter lange Rolle aus sechs Papierbögen. Vor kurzem wurde außerdem eine koreanische Pagode entdeckt, welche einen buddhistischen Text ans Licht brachte, der auf die Zeit 750-751 n. Chr. zurückgeht und damit noch älter ist.

Zweite Etappe: Der Druck mit beweglichen Lettern

Kommen wir zu einer der wichtigsten Etappen in der Geschichte des Drucks: die Erfindung der beweglichen Lettern. Auch diese Erfindung kommt aus China. Im Jahre 1041 erfindet der Typograf Bi Sheng bewegliche Lettern aus Ton, die jedoch leicht zerbrachen. 1298 verwendet der Erfinder Wang Zhen erstmals widerstandsfähigere Lettern aus Holz und erfindet zudem ein komplexes System aus drehbaren Tafeln, wodurch die Qualität des Drucks verbessert wird.

Wir befinden uns nun im 15. Jahrhundert, als Johannes Gutenberg die beweglichen Lettern in Europa einführt. Der Dreh- und Angelpunkt seiner Technik ist die Punze – ein rechteckiger Körper aus Stahl, an dessen Kopfende das spiegelverkehrte Relief des zu druckenden Zeichens (Zahl, Buchstabe oder Satzzeichen) liegt. Durch Einschlagen der Punze wird die Matrize gebildet, in der die Buchstaben gegossen werden. Diese werden anschließend auf einem Tablett angeordnet, mit Druckfarbe bestrichen und auf Papier aufgedruckt.

Welche drei großen Erfindungen führt Gutenberg ein?

  • Er verwendet zum ersten Mal Druckfarbe auf Ölbasis, die länger haltbar als die vorangegangenen Farben auf Wasserbasis ist.
  • Die Lettern werden widerstandsfähiger, weil sie aus einer Legierung aus Zinn, Blei und Antimon bestehen.
  • Er erfindet die erste Druckpresse, deren Funktionsweise sich an einer Weinpresse orientiert.

Nach etwa einem Jahr des Experimentierens wird am 23. Februar 1455 die Gutenberg-Bibel mit einer Auflage von 180 Ausgaben gedruckt.

Dritte Etappe: die Rotationsdruckmaschine

Unternehmen wir einen Zeitsprung ins Jahr 1843. Wir befinden uns in den USA, wo Richard March Hoe die Rotationsdruckmaschine erfindet, die 1846 optimiert und ein Jahr später patentiert wird. Anfangs wird diese Druckmaschine mit einzelnen Papierbögen gespeist; 1863 führt William Bullock jedoch die Rollenpapierzufuhr ein. Nun liegen die zu druckenden Bilder auf einem rotierenden Zylinder auf und nicht mehr auf einer ebenen, pressenden Oberfläche, und das Papier läuft über einen Zylinder, der einen vielfach höheren Druck ausübt. Dank der Mechanisierung des Verfahrens und der Einführung der Papierrolle druckt die Rotationsdruckmaschine bis zu 8.000 Exemplare pro Stunde. Aufgrund dessen können wir sie als erste Druckmaschine für große Auflagen bezeichnen.

1846 wird die Rotationsdruckmaschine zum ersten Mal in der Redaktion der Tageszeitung Philadelphia Public Ledger eingesetzt.

Vierte Etappe: der Offsetdruck

1875 erfindet Robert Barclay die Technik des Offsetdrucks und 1904 passt Ira Washington Rubel diese an den Papierdruck an. Dabei handelt es sich um ein indirektes Druckverfahren, das auf dem einfachen chemisch-physikalischen Prinzip basiert, nach dem sich Wasser und Fett abstoßen.

Das Druckverfahren ist jedoch alles andere als einfach: Im Mittelpunkt steht die Offsetplatte, die in zwei Bereiche untergliedert ist – die druckenden Elemente, von denen Wasser abperlt (an denen demnach die Druckfarbe anhaften kann), und die nichtdruckenden Elemente, welche Wasser aufnehmen (an denen also keine Druckfarbe anhaften kann). Die Platte wird mit einer Lösung befeuchtet, die sich mit den druckenden Elementen verbindet, und wird anschließend mit Druckfarbe versehen. Die auf diese Weise an den druckenden Elementen anhaftende Farbe wird zuerst auf einen Gummituchzylinder übertragen und anschließend auf Papier gedruckt.

Welche Vorteile hat der Offsetdruck?

  • Sehr hohe Definition und Auflösung.
  • Hohe Druckqualität auf jeder Art von Papier, auch solches, das keine glatte Oberfläche aufweist.

Und die Nachteile? Die Offsetmaschinen sind sehr groß und müssen oft gewartet werden, weshalb sie sich nur für große Produktionen lohnen.

Fünfte Etappe: die Linotype-Setzmaschine

1885 erfindet Ottmar Mergenthaler in Deutschland die Linotype. Der Vorteil dieser Setzmaschine liegt darin, dass damit die aus Lettern bestehenden Textzeilen automatisch angeordnet werden. Die Funktionsweise ist sehr einfach und ähnelt der einer Schreibmaschine: Der Schriftsetzer gibt über eine Tastatur die Wörter des Textes ein. Durch das Drücken der Tasten werden entsprechende Matrizen (die jeweils einer Letter entsprechen) gelöst und nebeneinander in einer Zeile angeordnet. Die Matrizenzeile wird mit flüssigem Blei gefüllt, mit Druckfarbe bestrichen und schließlich zum Bedrucken der Papierbögen verwendet.

Auch wenn dieses Verfahren sehr komplex erscheint, wird durch die Linotype der Druckprozess stark beschleunigt. Ab diesem Zeitpunkt wird alles maschinell erledigt und die Schriftsetzer müssen die zu druckenden Zeilen nicht mehr Type für Type zusammensetzen.

Ihre 1. Verwendung findet die Linotype-Setzmaschine 1886 bei der Tageszeitung New York Tribune, die 1841 in New York gegründet wurde. In Italien wird sie zum ersten Mal 1897 bei einer der wichtigsten Tageszeitungen Roms, der Tribuna, verwendet.

Übrigens bezeichnete Thomas Edison sie als 8. Weltwunder – das zeigt, wie wichtig ihre Erfindung in der Geschichte des Drucks ist.

Sechste Etappe: der Laserdrucker

Wir machen Station im Jahr 1971, als die Xerox Corporation die Lasertechnologie entwickelt. In einem Laserdrucker werden die zu druckenden Inhalte durch elektronische Prozesse erzeugt und direkt auf Papierbögen übertragen. Im Genaueren heißt das, dass das Bild vom Laser auf einen lichtempfindlichen Zylinder mit Selen-Beschichtung (genannt Trommel oder Magnetwalze) übertragen und von hier durch den Toner direkt auf das Papier aufgebracht wird. Mit diesem Verfahren können in Rekordzeit ca. 20.000 Zeilen/Minute gedruckt werden. Vor allem aber kann ab diesem Zeitpunkt jeder selbständig das ausdrucken, was er oder sie braucht.

Die ersten Laserdruckermodelle sind nicht das, was wir heute gewohnt sind – noch sind sie sperrig, komplex und sehr teuer. Es dauert bis 1982, bis der erste Tischlaserdrucker von Canon produziert wird. Der Preis des Gerätes bleibt jedoch noch zu hoch, als dass man es als Produkt für jedermann bezeichnen könnte. Die große Verbreitung der Laserdrucker beginnt erst zu Beginn der 90er-Jahre mit den Tintenstrahlmodellen, die mit Nadeln und Sublimation arbeiten. Von diesem Moment an werden die Drucker immer günstiger, immer kompakter und immer effizienter.

Die letzte Etappe: der 3D-Drucker

Wir sind in der Gegenwart angekommen und beenden diese Reise in Begleitung des 3D-Druckers. Wenn man es genau betrachtet, entsteht diese Drucktechnik bereits vor einigen Jahren, nämlich 1983, als Chuck Hull zum ersten Mal UV-Strahlen zum Härten von Lacken verwendet. Der Ingenieur nennt seine Erfindung „Stereolithografie“; dieses Verfahren ermöglicht, mit dem schichtweisen Aufbau eines lichtempfindlichen, flüssigen Polymers, das UV-Licht ausgesetzt wird, feste Gegenstände herzustellen. Ausgangspunkt ist ein 3D-Modell, das durch eine Modellierungssoftware, wie beispielsweise Blender, AutoCAD oder OpenSCAD produziert wird.

Heute gibt es mehrere Technologien für den 3D-Druck. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art, in der die einzelnen Schichten aufgebaut werden: Verwendet werden können Materialien, die durch Wärme schmelzen, flüssige Materialien, die aushärten oder Materialien, die laminiert und miteinander verbunden werden.

Bis der 3D-Druck ein Massenphänomen wurde, dauerte es einige Jahre. Der Grund dafür liegt in den Preisen dieser Technologie, die zu Beginn extrem hoch waren. Heutzutage wird er in den verschiedensten Bereichen angewandt, von der Architektur, über die Kunst, das Gesundheitswesen, bis hin zur Archäologie – und wir sind uns sicher, dass immer mehr dazukommen werden.

Was wird wohl die nächste Etappe in der Geschichte des Drucks sein? Wir brennen darauf, uns mit Ihnen gemeinsam auf die nächste Reise zu begeben, um dies herauszufinden.

Wenn Sie mehr zum Thema erfahren möchten, sollten Sie sich nicht diese Bücher entgehen lassen:

  • Robert Bringhurst, Gli elementi dello stile tipografico, Dublin, Sylvestre Bonnard, 2001.

  • Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit: Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Vierte, durchgesehene Auflage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2006.
  • Michael Twyman, L’imprimerie : Histoire et techniques, London, ENS Éditions, 2007.
  • John Man, The Gutenberg Revolution: How Printing Changed the Course of History, London, Transworld Publishers Ltd, 2009.

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